Wozu Standards?

1.    Warum? - Was sind die Auslöser der Standarddiskussion?
2.    Wozu? - Welche Funktionen/Merkmale sollen Standards haben?
3.    Wozu nicht? - Welche Funktionen sollen Standards nicht haben?
4.    Woher? - Woher bekommt man Informationen über Standards?

1. Warum? – Was sind die Auslöser der Standarddiskussion?

Wir brauchen Standards als Zielvorgaben und für Messinstrumente

  • wegen der internationalen Vergleichbarkeit,
  • wegen der Vergleichbarkeit und Durchlässigkeit der Schulen innerhalb Österreichs,
  • wegen der spezifisch österreichischen Berechtigungsvergabe,
  • wegen der pädagogischen Autonomie und der im Detail nicht sehr verbindlichen Lehrpläne und
  • wegen der notwendigen Qualitätsevaluation.

Internationale Vergleichbarkeit der Bildungsergebnisse

Internationalisierung und Globalisierung erfordern auch im Bildungsbereich den Blick nach außen. Die verstärkte zwischenstaatliche Zusammenarbeit und die größere Mobilität der Menschen erfordert eine gewisse Vergleichbarkeit der Qualifikationen. [Specht, 2000]. Im Unterschied zu Ländern wie Frankreich, Schweden oder Schweiz verfügt Österreich über kein nationales Indikatorensystem zum fortlaufenden Monitoring der Qualität des Schulsystems. Man scheint sich in Österreich nach wie vor darauf zu verlassen oder darauf zu hoffen, dass das Schulsystem sowie die Schülerinnen und Schüler leisten, was sie sollen [Gruber, 1999].

Die PISA-Diskussion

Die Ergebnisse internationaler Schulvergleichstests wie TIMSS oder PISA haben zu einer öffentlichen und auch politischen Diskussion über die Qualität des Bildungswesens geführt. Trotz der bedauernswerten Qualität dieser Diskussion und der zum Teil falschen Schlussfolgerungen bleibt doch als Ergebnis, dass der Ertrag unseres Bildungssystems diskussions­bedürftig ist.

Die österreichspezifische Art der Berechtigungsvergabe und die dadurch ausgelöste Schnittstellendiskussion

Österreich gehört zu jenen Ländern, in denen die abgebende Schule Berechtigungen vergibt, und zwar erfolgt die Berechtigungsvergabe im Wesentlichen durch jene Lehrerinnen und Lehrer, die den Lernprozess begleiten. Dies ist einerseits pädagogisch sehr sinnvoll, birgt aber die Gefahr in sich, dass die Erwartung der Lernenden an die Lehrenden lautet: „Bitte möglichst wenig – aber den Berechtigungsschein!“ Eine Folge dieser Art der Berechtigungsvergabe ist, dass trotz Vorgabe von Lehrplänen, eine Vergleichbarkeit des Bildungsertrages schwer möglich ist.


Eine Konsequenz aus der Art der Leistungsbeurteilung (teils rechtlich, teils traditionsbedingt) ist, dass sich Lernen auf den Erwerb kurzfristiger, in der Prüfungssituation verfügbarer Kom­petenzen oder besser gesagt Fertigkeiten konzentriert. Wie PISA zeigt, ergibt sich daraus nicht unbedingt die Verfüg­barkeit langfristiger Grundkompetenzen.

Die Schnittstellendiskussion: Es ist nicht nur in Österreich Tradition, dass die auf­nehmende Institution der abgebenden Institution vorwirft, zu wenig für die Qualität des nachhaltigen Ertrages zu tun. In Österreich wird dieses Problem durch die oben beschrie­bene Berechtigungsvergabe verschärft und zwar nicht nur an der Schnittstelle Schule/ Universität, sondern auch am Übergang von der Volksschule zur Sekundarstufe I und an der Schnittstelle Sekundarstufe I/Sekundarstufe II und nicht zuletzt beim Übergang von der Ausbildung zum Berufsleben. Standards könnten dazu dienen, Klarheit bezüglich der Erwartungen an die abgebende Schule zu schaffen.

Die Heterogenität unseres Schulsystems und die Autonomie

An der Schnittstelle Schule/Universität sind es die vielfältigen Ausprägungen von allgemein bildenden und berufsbildenden höheren Schulen, die eine Vergleichbarkeit schon alleine von den jeweiligen Zielvorgaben her schwer möglich machen. Andererseits soll aber am allgemeinen Hochschulzugang nicht gerüttelt werden.

Darüber hinaus ermöglicht die Autonomie sehr individuelle Schulprofile. Autonomie kann aber nicht Selbstgesetzgebung und Selbstgefälligkeit bedeuten, sondern verlangt verstärktes Outputbewusstsein.

Verschärft wird diese Situation in letzter Zeit dadurch, dass es für einige Studien­richtungen wie etwa Medizin Zugangsbeschränkungen gibt. Dadurch gewinnen gewisse Standards, die die abgebende Schule garantieren soll, sehr an Bedeutung.

Die Qualitätsinitiative in unserem Schulsystem

Qualitätsentwicklung verbunden mit der Entwicklung von Schulprofilen und Schul­programmen erfordert zur Erhebung des Ausgangszustandes eine Qualitätsevaluation. Diese darf sich aber nicht auf eine Befindlichkeitsevaluation beschränken, sondern erfordert eine Evaluation der Qualität des Outcomes. Eine solche Qualitätsmessung braucht aber ein Bezugssystem – also Standards.