Was bedeutet „Nachhaltigkeit“ im Mathematikunterricht?

Ein zentraler Ansatzpunkt zum Erwerb mathematischer Kompetenzen ist eine nachhaltig­keitsfördernde Aufgabenkultur, das heißt Problemstellungen, die kognitive Prozesse auslösen und unterstützen und die den Wert und die Sinnhaftigkeit der Mathematik erkennen lassen.

1. Zum Begriff „Nachhaltigkeit“

Der Begriff Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und wird auf eine Publikation von Hans Carl von Carlowitz aus dem Jahr 1713 zurückgeführt, in der er von der „nachhaltenden Nutzung“ der Wälder schrieb. Inzwischen wird dieser Begriff inflationär in verschiedensten Gebieten verwendet: Man spricht von der ökologischen Nachhaltigkeit, von sozialer, politischer, finanzieller und kultureller Nachhaltigkeit. Die Gemeinsamkeit aller Nachhaltigkeitsdefinitionen ist der Erhalt eines Systems bzw. der Charakteristika eines Systems. Aber: Jede Definition, die nichts ausschließt, ist wertlos" [Daly 1999, S. 27].

Schließlich wird auch die Nachhaltigkeit von Wissen thematisiert [Ott, 2007]. Es geht also um Fragen der Bewahrung, Erzeugung und Verwendung von Wissen. Schon die letzte Frage nach der Verwendung von Wissen deutet darauf hin, dass es nicht genügt Wissen anzuhäufen. Wenn es also um den Ertrag des schulischen Lernens oder hier im speziellen Fall um den Ertrag des Mathematiklernens geht, wäre es sinnvoller, zuerst die Nachhaltigkeit von Bildungsprozessen im Allgemeinen zu diskutieren.

Die Nachhaltigkeit von Bildungsprozessen zeigt sich an den längerfristigen Wirkungen, die von einem Lern- und Entwicklungsprozess ausgehen.

 

Man kann verschiedene längerfristige Wirkungen von Lernprozessen unterscheiden:

  • Nachhaltige Einstellungen und Werte, die für den volitionalen und motivationalen Aspekt der Kompetenz eine wichtige Grundlage darstellen.
  • Nachhaltiges Lernverhalten, also die Bereitschaft, zeitlebens zu lernen und damit verbunden die langfristige Verfügbarkeit heuristischer Lernstrategien.
  • Dauerhafte Lernresultate, deren Sinnhaftigkeit im Hinblick auf ihre Bedeutung für das Individuum und für die Gesellschaft zu hinterfragen ist.
  • Aktivierbare Denktechnologie, das heißt die Verfügbarkeit kognitive Strukturen, die für die Problemverarbeitung erforderlich sind.

 

Die Nachhaltigkeitserwartungen, insbesondere was die Lernresultate betrifft, sind sehr vielfältig und vom Bildungssystem sicher nicht alle erfüllbar. Daher muss zuerst einmal die Frage gestellt werden: Was ist der Bildungsauftrag des Faches Mathematik und welche sich daraus ergebenden Nachhaltigkeitserwartungen können/wollen wir erfüllen?