Wozu Standards?

2. Wozu? – Welche Funktionen/Merkmale sollen Standards haben?

2.1 Funktionen von Standards

Standards haben
  • eine Steuerungs- und Orientierungsfunktion, sowie
  • eine Evaluationsfunktion.

Steuerungs- und Orientierungsfunktion von Standards


Outcomesteuerung durch Bildungsstandards hat natürlich auch Konsequenzen für den Unterrichtsprozess. 

Lehren und Lernen sowie die Prüfungskultur werden mehr auf längerfristig verfügbare Kompetenzen aus­gerichtet, die dem Bildungsauftrag des Faches entsprechen.

Diese Funktion können Standards nur dann übernehmen, wenn es zur verbalen Formulierung erwarteter Schülerkompe­tenzen auch adäquate Aufgaben für einen kompetenzorientierten Lernprozess und eine darauf abgestimmte Prüfungskultur gibt. In diesem Sinne ist auch der hier angebotene Aufgabenpool als „Orientierungspool“ zu verstehen und zu nutzen.

Schon alleine ein Standardbewusstsein kann ein erster Schritt zu einer Verhaltensänderung der Lehrenden und Lernenden sein und damit zu einer Ertragsverbesserung führen. Zur Steuerfunktion gehört aber jedenfalls, das Erreichen der Standards zu messen, sei es durch Selbstevaluation oder durch Außenevaluation.

Evaluationsfunktion von Standards

Wenn man einen Qualitätsentwicklungs­prozess in Gang setzen will, braucht man zuerst eine Erhebung des „Ist-Standes“. Gerade in Österreich haben wir ja immer geglaubt, dass der gute Lernprozess auch automatisch eine qualitätsvolle und nach­haltige Bildung garantiert.

Die Evaluation auf der Grundlage von Bildungsstandards kann mit verschiedenen Zielen und verschiedenen Methoden erfolgen [Blum, 2006]:

  • Standardorientierte Vergleichsarbeiten dienen dazu festzustellen, wie es um die Standardentwicklung und -erreichung in einzelnen Schulen oder Klassen bestellt ist. Die Aufgaben stammen aus einem von Experten entwickelten Orientierungspool. Solche Vergleichsarbeiten kommen von außen, werden also von Expertengruppen zusammengestellt, die auch die Evaluation vornehmen. Sie werden von allen Schülerinnen und Schülern einer Klasse oder einer Schulstufe in einer Schule bearbeitet und von den begleitenden Lehrerinnen und Lehrern korrigiert oder auch EDV-unterstützt ausgewertet. Sie habern nicht den Anspruch, alle testpsychologischen „Normierungs­kriterien“ zu erfüllen, können aber sehr gut zur Individualdiagnose von Lernenden oder Lerngruppen eingesetzt werden und geben sowohl Lehrenden als auch Lernenden Orientierungen und Anregungen. Insbesondere ermöglichen sie, die Messung nicht erst am Ende des jeweiligen Bildungsweges anzusetzen, sondern so früh, dass die sich daraus ergebende Diagnose auch noch Therapiemöglichkeiten für die getestete Schülergruppe erlaubt.
  • Standardorientierte Selbstevaluationsinstrumente können von Lehrenden aus dem Orientierungspool zur Individualdiagnose für Lerngruppen oder einzelne Lernende entwickelt werden. Auch diese Instrumente können schon während des Bildungsganges mit Nachsteuerungsabsicht eingesetzt werden. Dabei kann das jeweilige Kompetenz­spektrum individuell ausgewählt werden (z.B. entweder für bestimmte Schulstufen, oder für bestimmte fachliche Themenbereiche). Ein öffentlicher Orientierungspool kann in diesem Sinne auch von Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern genutzt werden.
  • Standardbasierte Tests sind normierte Instrumente zur Systemevaluation, die in Zusammenarbeit mit der Testpsychologie entwickelt werden. Hiefür werden aus­schließlich geeichte, das heißt empirisch normierte Aufgaben („Testitems“) verwendet, die aus einem geheimen Testitempool kommen. Solche Tests kommen von außen und werden von eigens dafür ausgebildeten Testadministratoren/innen durchgeführt und ausgewertet. Diese Tests eignen sich primär für ein "Monitoring" des Schulsystems als Ganzem.

Der hier vorliegende Aufgabenpool dient als Grundlage für Vergleichsarbeiten und zur Entwicklung von Selbstevaluationsinstrumenten.

2.2 Merkmale von Bildungsstandards

Bildungsstandards sind fachbezogen. Bildungsstandards für das Fach Mathematik beschreiben somit mathematisch spezifische Kompetenzen.
  • Fachlichkeit: Bildungsstandards sind jeweils auf einen bestimmten fachlichen Lernbe­reich bezogen und arbeiten die anzustrebenden Grundkompetenzen der Disziplin bzw. des Unterrichtsfaches heraus.
  • Fokussierung: Die Standards decken nicht die gesamte Breite des fachlichen Lernbe­reiches ab, sondern konzentrieren sich auf einen Kernbereich.
  • Kumulativität: Bildungsstandards beziehen sich auf Kompetenzen, die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt im Verlauf der Lerngeschichte aufgebaut worden sind. Damit zielen sie auf kumulatives, vernetztes Lernen und auf einen nachhaltigen Ertrag des Lernprozesses.
  • Verbindlichkeit: Österreichische Bildungsstandards sind produktorientierte Leistungs­standards. Sie sind als Regelstandards ausgelegt und drücken damit eine durchschnittliche Erwartung an erworbenen Kompetenzen aus.